ObjektPlattenbau-Ensemble Konrad‑Wolf‑Allee, Potsdam-Drewitz
BauherrProPotsdam GmbH, Potsdam
PlanungRTW Architekten- und Ingenieurgesellschaft mbH, Berlin
Fassadealsecco Fassadendämmsystem
Fassadenfläche7.500 m²

In der Konrad-Wolf-Allee in Potsdam-Drewitz demonstrierten die ProPotsdam GmbH als Bauherr und ein mutiges Planungsteam, wie viel Potenzial in der guten alten Platte steckt. Genau dort, wo angeblich wenig zu retten war, verwirklichten sie durch die umfassende Modernisierung und Neugestaltung eines 300 Meter langen Vorwendebaus ein viel beachtetes Modellprojekt.

Platte ist nicht gleich Platte

Die markante Gebäudezeile erstreckt sich im städtebaulichen Kontext entlang der Konrad-Wolf-Allee auf einer Länge von rund 300 Metern mit 24 baugleichen Aufgängen auf einem Grundflächenraster von 12 mal 12 Metern.

Die fünfgeschossigen Gebäude wurden erst 1989 als Typenbauten nach der Wohnungsbauserie 70 (WBS 70) als Teil der Wohnsiedlung Drewitz errichtet. „Man spricht speziell bei dieser Serie häufig von der Einheitsplatte WBS 70, doch bereits in der ersten Planungsphase mussten wir feststellen, dass es den einen Typ Platte selbst innerhalb dieser Bauserie nicht gibt“, erklärt Robert Lassenius. Heterogene Bauteile und Wandaufbauten, abweichende Plattenmaße und variierende Fensteranschlagsituationen stellten die Planer vor große Herausforderungen. „Wir hatten es definitiv mit einem Sondertyp der Wohnungsbauserie 70 zu tun, der in vielen Details spezielle Lösungsansätze erforderte.“

Darüber hinaus waren Mängel und Bauschäden mit denen anderer in die Jahre gekommener Plattenbauten vergleichbar. Die Oberflächen der Außenwände wiesen kleine Risse auf. Die Risshäufigkeit stieg mit zunehmender Gebäudehöhe. Hinzu kamen Wärmebrücken an den Außenbauteilen im Bereich der Fugen, an Baukörperversprüngen sowie an den Fensterrahmen. Und undichte Bodenplatten im Bereich der auskragenden Loggien ließen Feuchtigkeit ins Mauerwerk eindringen. Entsprechend umfangreich waren die Modernisierungsarbeiten, die nach Abschluss der Planungsphase 2015 in drei Etappen als Komplettsanierung im Leerstand in Angriff genommen wurden. Damit einher ging die grundlegende architektonische Neugestaltung und überformung der Baukörper, die das neue Erscheinungsbild prägen.

Hommage an Regisseur Konrad Wolf

Die markante Anordnung und Farbgestaltung der Balkone und Loggien fungiert bereits als sichtbares Erkennungsmerkmal des Ensembles. Dem Status eines baulichen Wahrzeichens innerhalb des Quartiers nähern sich die Gebäude jedoch durch ein weiteres Detail. Wer den Blick nach oben über den für Plattenbauten typischen Drempel schweifen lässt, liest mehrere Schriftzüge, die sich über die gesamte Gebäudezeile erstrecken. Sie erzählen eine Geschichte. Es ist die Geschichte des international bekannten Filmregisseurs Konrad Wolf (1925–82). Zahlreiche Filmtitel mit Entstehungsjahr sind auf dem Drempel in Form einer Zeitachse angeordnet. Die changierenden Fassadenfarben Weiß, Grau und Schwarz der jeweiligen Gebäudeabschnitte sollen zugleich sein Leben mit Höhen und Tiefen spiegeln. Die Betonungsfarben geben sein umfangreiches filmisches Schaffen wieder. „Sicherlich eine ungewöhnliche Lösung für die Gestaltung eines Drempels, aber eine, die sich über einen starken Bezug zur Identität des Quartiers erschließt und nicht in vordergründiger Baudekoration verfängt“, betont Ilka Pöschl. Durch die Nähe zu den DEFA-Filmateliers und der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg seien damals die Straßen des Stadtteils nach Persönlichkeiten der deutschen Filmgeschichte benannt worden. „Das Gestaltungskonzept sehen wir in diesem Kontext auch als eine Hommage an den Regisseur Konrad Wolf“, so Pöschl.

KfW-Effizienzhäuser 70

Bei der technischen Modernisierung der Gebäudehülle und der Anlagentechnik spielten energetische Gesichtspunkte eine zentrale Rolle. Um die Anforderungen der Energieeinsparverordnung von 2014 zu erfüllen, wurde auf einer Fläche von rund 7.500 Quadratmetern ein Fassadendämmsystem mit Dämmstoffstärken von 160 bis 180 Millimetern verarbeitet. Anschlussdetails wurden so konstruiert, dass keine Wärmebrücken entstehen. Als technisch anspruchsvoll erwies sich die Ausführung der profilierten, wie gefaltet wirkenden Putzfassade des Ärztehauses. Für die Dämmung wurden individuelle Formteile werkseitig vorgefertigt, so dass sie auf der Baustelle vertikal und horizontal exakt zusammengefügt werden konnten. Insgesamt erfüllen die Gebäude heute den hohen Standard eines KfW-Effizienzhauses 70 mit einem Energiebedarf von 65 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Damit wurde der Energiebedarf der Gebäude nachhaltig um rund 50 Prozent reduziert. Gestaltungswille, Detailliebe und ohne Frage die über einen längeren Zeitraum sehr gute und kooperative Zusammenarbeit aller am Projekt Beteiligten hätten diesen konsequenten Wandel letztendlich möglich gemacht, so Ilka Pöschl.

Fotos: Hanno Keppel