ObjektHoliday Inn Hotel, Hamburg
BauherrrECE Projektmanagement GmbH & Co. KG, Hamburg
Architektkister scheithauer gross, Köln/Leipzig
Fassadeedition Klinker
InnenfarbenCaparol, Alligator
Ausführung FassadeSchmacker & Sohn Malereibetrieb,
Oldenburg

In der Hamburger HafenCity ist 2019 das Holiday Inn Hotel eröffnet worden. Der von kister scheithauer gross geplante, direkt am Lohsepark gelegene Neubau überzeugt durch seine urbane Klinkerarchitektur, die nahtlos an den Hamburger Backsteinexpressionismus und an die Materialsprache der angrenzenden Speicherstadt anschliesst.

Der nach Plänen von kister scheithauer gross architekten aus Köln und Leipzig umgesetzte, inzwischen mit dem if Design Award 2020 der Kategorie „Architecture“ ausgezeichnete Neubau überzeugt durch seine selbstbewusst ausgeführte Klinkerarchitektur, die sich kontrastreich den strahlend weißen Formen der benachbarten HafenCity Universität entgegenstellt.

Reliefartige Fassadenstruktur

Seine besondere Qualität erhält der über einem nahezu dreiecksförmigen Grundriss errichtete Neubau vor allem durch die ungewöhnliche Struktur der Backsteinfassade. Um einen spannungsreichen Dialog mit dem Umfeld zu erreichen und eine repräsentative städtebauliche Adresse zu schaffen, haben die Planer eine detailreiche, bewegte Gestaltung mit versetzt angeordneten Fensterachsen und mit leicht zurückliegenden Flächen entwickelt, die schon auf den ersten Blick die Wertigkeit der Architektur betont: „Die leicht plastisch gestalteten Lisenen geben der Fassade eine charakteristische Rhythmik und Reliefwirkung, die besonders bei Sonnenlicht erlebbar ist“, beschreibt der Architekt Prof. Johannes Kister den Eindruck. „Neben einem großen festverglasten Fenster haben wir pro Zimmerachse jeweils zwei vertikale Pfeiler gleicher Breite integriert. Durch diesen wiederkehrenden Grundrhythmus ist auf subtile Weise die Nutzung als Hotel in der Tektonik der Fassade ablesbar.“

Markanter Blickfang ist insbesondere die abwechslungsreich gestaltete Fassadenflucht in Richtung Süden, die oberhalb des erhöhten Mezzaningeschosses als langgestreckte „Scheibe“ um rund 40 Zentimeter in den Straßenraum vorspringt. Im Zusammenspiel mit den beiden spitz bzw. stumpf zulaufenden, durch eine schmale Fuge zusätzlich akzentuierten Eckansichten zur Shanghaiallee sowie zum Lohsepark ist eine kraftvolle Plastizität entstanden, die Gebäudekörper und Fassade optisch voneinander trennt: „Die Assoziation eines Schiffsbugs liegt dabei aufgrund des maritimen Standortes auf der Hand“, erklärt Prof. Johannes Kister.

Ein weiteres gelungenes Detail der langgestreckten Klinkerfront ist die aus dem sonstigen Raster ausbrechende, am Abend atmosphärisch beleuchtete Attikakrone, die einen gelungenen oberen Abschluss der Fassade bildet. Hinter den deutlich kleineren, im Kontrast zur sonstigen Fassade nicht verglasten Öffnungen liegt hier optisch verborgen die Technikzentrale des Gebäudes.

Um die verschiedenen Details fachgerecht ausbilden zu können, wurden sämtliche Abschnitte als WDV-Fassade mit aufgeklebten Klinkerriemchen umgesetzt. Die Wahl eines homogenen Läuferverbandes mit Steinen im extrem schlanken Lang-Dünnformat betont dabei den elegant-kraftvollen Charakter der Architektur. „Zusätzliche Individualität erhalten die Riemchen durch eine bläulich rotviolette Engobe, die das lebendige Farbspiel und die Tiefe der Fassade noch hervorhebt“, so Johannes Kister.

Fotos: Hans-Georg Esch